Messer schmieden in der eigenen Werkstatt

Messer schmieden lernen

Was brauche ich an Werkzeug zum Messer schmieden ?

 

Im folgenden Artikel schreibe ich einmal auf, was man zum Messer schmieden meiner Ansicht nach mindestens an Austattung benötigt.
Einige Stücke davon wird der eine oder andere schon haben, andere müssen gekauft oder angefertigt werden. Manches kann man mit überschaubarem Aufwand nicht anfertigen, sondern muss es kaufen.

Zu den einzelnen Werkzeugen schreibe ich jeweils ein paar Zeilen und liste dazu einige Bezugsquellen auf.

Denke ich an’s Schmieden so denke ich zuerst an Schmiedehammer, Zangen, Amboss und Esse. Damit habe ich die primären Werkeuge zusammen und kann loslegen.

Und jetzt eins nach dem anderen. Zuerst der:

 

Schmiedehammer | Schlosserhammer

Kugelhammer

Kugel oder Ingenieurhammer

Hier empfehle ich mehrere Größen und Formen beginnend mit einem oder zwei  600-900 Gramm schweren Kugelhammer. Dieser Hammertyp, auch bekannt unter dem Namen Ingenieurhammer oder Ausbeulhammer, ist sehr gut geeignet um Klingenformen fein auszuarbeiten. Statt der Hammerfinne hat er eine halbrund ausgeformte Kugelform mit der man präzise formschmieden kann.
Die Hammerbahn ist im Gegensatz zum Schmiedehammer rund und nicht quadratisch.

 

 

 

 

Schmiedehammer 1,5 und 2 Kg

Schlosserhammer und Schmiedehammer

Als nächste Größe kommt dann ein Hammer mit 1 bis 1,5Kg Gewicht in Frage. Dieser dient zum allgemeinen Schmieden und Formen.
Als größten Hammer kommt ein ca. 2kg 

Hammer zum Einsatz. Dieser ist für schwere Schmiedearbeiten gedacht bei denen es auf die Wucht des Schlages ankommt. Am Anfang der Schmiedekarriere wird man den 2kg Hammer vermutlich nur eine kurze Zeit problemlos bewegen können. Aber das gibt sich mit der Zeit.

Arbeitet man ab und zu mit einem Zuschläger, so kann sich ein 3kg oder 4kg Vorschlaghammer lohnen.

 

bearbeitete Hammerbahn

Hammerbahn verrundet

Statt eines Schmiedehammers kann man sich auch einen Schlosserhammer umarbeiten indem man die “scharfen” Kanten an der Finne und der Hammerbahn verrundet um scharfkantige Eindrücke in der Oberfläche des Werkstücks zu vermeiden. Diese lassen sich nur ziemlich schwer wieder ausbügeln. Mit einer verrundeten Kante passiert das nicht. Für den Schmiedehammer spricht seine oft etwas kompaktere und dadurch handlichere Form. Mit ihm lässt es sich angenehmer arbeiten.

 

 

 

Hier gibt es noch mehr Tipps zum Schmiedehammer und welchen Hammertyp ich empfehle!

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Schmiedezangen

Schmiedezangen braucht man um das Werkstück beim Schmieden festzuhalten. Je nach Form des Objektes gibt es hier verschiedene passende Formen.
Die gebräuchlichsten Zangenformen sind:

diverse Schmiedezangen

Schmiedezangen in verschiedenen Größen

Flachmaulzange

Wolfsmaulzange

Rundmaulzange

Schloßmauzange

Daneben gibt es noch einige andere Formen, aber mit diesen kommt man beim Messer schmieden im Normalfall sehr gut hin.  Die Zangen gibt es in verschiedenen Größen. Mir liegen die 50 cm großen Zangen am besten in der Hand.  Die 30cm und 40cm sind mir meistens zu klein. Für schwere Arbeiten nehme ich schon mal eine 60 cm große Zange.
Man kann sich seine Schmiedezangen auch selbst schmieden. Das ist sicherlich eine gute Übung wenn man es möchte.  Das habe ich schon gemacht, es funktioniert ganz gut. Aber ich will Messer schmieden, also kaufe ich mir meine Zangen z.b. hier:

Neben den Zangen und den Hämmern gibt es noch eine ganze Menge an zusätzlichen Werkzeugen welche man sich bei Bedarf kaufen oder selbst anfertigen kann.

 

 

 

Amboss

200Kg Amboss

Amboss in der Lindenschmiede

Einen guten Amboss zu finden ist nicht einfach. Neue Stücke sind meist ziemlich teuer, gebrauchte sind oft nicht mehr gut erhalten oder auch noch teuer. Aber mit etwas Geduld findet sich auch hier ein passabler Amboss.
Neben einem Neukauf kommt hier der Gebrauchtmarkt in Frage. Eine gute Quelle können auch Firmenauflösungen sein. Ist überhaupt kein brauchbarer Amboss in Sicht kann man sich z.B. aus einem Stück Eisenbahnschwelle oder einem Stahlblock evtl. vom Schrottplatz behelfen.
Es gibt verschiedene Ambossformen. Mein großer 200 Kg Amboss ist eine süddeutsche Form mit einem Rundhorn, einem rechteckigen Horn, einem “Stauch” und einem Voramboss. Beim Amboss gilt, je schwerer desto besser.

Das Gewicht fängt die Schläge auf. Je schwerer der Amboss desto ruhiger steht er. Alte Ambosse hatten oft eine aufgesohlte Bahn was bedeutet, auf einen weichen Grundkörper wurde eine später zu härtende Bahn aufgeschmiedet.  Die Oberfläche war somit hart und der Körper weich. Das ergab einen dunklen, dumpfen Ton beim Schlag. Morderne Ambosse sind hingegen in der Regel aus einem  “Guss”. Wenn sie gehärtet sind haben sie einen hellen glockenartigen Ton. Die Ambossbahn ist gut, der Ton ist aber oft sehr hell und kann stören. Das kann man aber durch verschiedene “Tricks”, (abspannen, abkleben, Magnet setzen etc.) welche die Schwingungen unterbrechen, beheben.

Ambossbahn

Ambossbahn mit Voramboss

Als Ambossgeswicht sollte man mindestens 50Kg besser 80 Kg einplanen. Eher mehr ! Bekommt man das mit dem Gewicht nicht hin, so kann es helfen den Amboss fest mit dem Untersatz ( Holzklotz, Betonklotz, etc. ) zu verschrauben.  TIPP => zwischen Amboss und Untersatz zum dämpfen der Schwingungen 2-3 Bitumenlagen legen.

 

 

 

 

Gasesse | Kohleesse | Schmiedeofen

Nun kommen wir zum heißen Teil des Schmiedens. Es gibt mehrere Möglichkeiten den Stahl auf Schmiedetemperatur zu bringen. Die traditionelle ist die Kohleesse. Hier wird mittels Steinkohle, Koks oder Holzkohle ein Schmiedefeuer unterhalten. Gute Steinkohle in passender Form zu bekommen ist heute nicht mehr ganz einfach. Die Förderung in Deutschland wurde meines Wissens stillgelegt. Was man bekommt, kommt aus dem Ausland und kann in der Qualität stark schwanken von sehr gut bis hin zu unbrauchbar  zum Messer schmieden.  Steinkohle gast beim anbrennen stark aus, was mit einem dichten graugelben schwefligen Rauch einhergeht. Koks in passender Größe (ca. Haselnussgroße Stücke) wäre eine Möglichkeit, ist aber evtl. auch schwer zu bekommen. Holzkohle ist eine Alternative. Gute Holzkohle ist aber recht teuer und brennt schnell weg.  Alle 3 Kohlesorten sind eine Möglichkeit, man muss es abwägen.

Ich persönlich bin ein Beführworter des Gasfeuers. Mit einer Gasesse welche ich selbst baue  Gasesse Infos   schmiede ich alle meine Klingen und meinen Damast. Die Gasesse wird mit

Gasesse gebaut in der Lindenschmiede

Gassesse 11Kg

handelsüblichem Propangas betrieben und erreicht problemlos Feuerschweißtemperatur.

Es gibt verschiedene Formen von Gasessen. Solche die mit einem Gebläse betrieben werden und solche die sich ihre Verbrennungsluft über das Venturi prinzip ziehen. Dazu gehört meine Bauform. Gasfeuer welche für Hufschmiedearbeiten genommen werden sind oft recht günstig zu bekommen. Allerdings erreichen diese in den seltensten Fällen ( bis überhaupt keine ) Schmiedetemperatur.  Der grundsätzliche Aufbau ist hierfür nicht geeignet.  Für Kunstschmiedearbeiten  und einfachere Klingen kann man sie aber durchaus nehmen.

 

 

Arbeitssicherheit

Auf einen ganz wichtigen Punkt komme nun: Die eigene Sicherheit / die Arbeitssicherheit.
Auch wenn ich damit keine Messerklinge schmieden kann und es Geld kostet, darf dieses Kapitel nicht vergessen werden. Die eigene Gesndheit kann ich nicht ersetzen wie ein defektes Werkzeug.
Als Standardausstattung sollte man die nachstehend aufgelisteten Utensilien betrachten.

Schutzbrille

Schutzbrillen zum Schmieden

Schutzbrille in der Werkstatt

Ein zum Schmieden unabdingbares Teil ist meines Erachtens die Schutzbrille. Auch wenn es sich manchmal einfacher ohne schmiedet, da sie drückt oder ständig beschlägt. Und bislang ist ja auch noch nichts passiert….. Oder ?

Dennoch sollte man auf keinen Fall darauf verzichten. Wenn man erstmal ein heißes Schlackepartikel im Auge hat, ist es zu spät.
Schutzbrillen gibt es in verschiedenen Ausführungen von preiswert bist recht teuer, Designerstücke oder ganz einfache Brillen. Hier sollte jeder schauen wie er am besten zurechtkommt. Ich bevorzuge diese Art der Schutzbrille. Sie schützen flächig und an den Seiten die Augenpartie.

Gesichtsschutz

Anders als die Schutzbrille bedeckt der Gesichtsschutz das ganze Gesicht mit einem transparenten Kunststoffschild. Der Schutz ist umfassender. Leider ist der Gesichtschutz manchmal störend bei der Arbeit. Hier sollte jeder für sich entscheiden ob er so ein Teil benutzt.

Gehörschutz

Beim Gehörschutz gibt es ebenso verschiedene Möglichkeiten. Einfache Ohrstöpsel oder Kopfhörerähnliche Teile. Die Stöpsel kann nicht jeder im Ohr haben. Aber wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat ist es ok. Auch wenn auch bei Lärm in der Werkstatt erst einmal nichts passieren muss. Die Langzeitfolgen dürfen nicht unterschätzt werden.

Arbeitshandschuhe

Arbeitshandschuhe gibt es in Vollleder oder in Leder mit einem Stoffrücken aus Baumwolle. Die ersten schützen etwas besser, ziehen sich aber bei Hitzeeinwirkung stärker zusammen.
Handschuhe aus Kunstfasern haben in der Schmiede nichts zu suchen, da sie selten ausreichend hitzebeständig sind.

 

Schmiedeschürze

Zum Schmieden ganz wichtig ist eine stabile und feste Schmiedeschürze aus Leder. Es kann eine Schürze aus Vollleder oder eine aus Spaltleder sein. Hauptsache sie ist ausreichend stabil.
Schürzen aus Stoff oder Kunsstoff sind für die Schmiede ungeeignet, da sie nicht ausreichend temperaturbeständig sind.

 

Sicherheitsschuhe

Kommen wir zum Schuhwerk. Ausgediente Strassenschuhe oder Sportschuhe taugen nicht, auch wenn es sich um stabile Lauf, oder Wanderschuhe handelt.
Diesen fehlt in der Regel die Stahlkappe zum Schutz der Zehen und die Stahlsohle welche vor Verletzungen beim Durchtreten eines scharfen Metallsplitters passieren können.

Sicherheitsschuhe gibt es heute in nahezu unendlich vielen Ausführungen. Von sportlich modern bis hin zum Outdoorschuh mit Stahlkappe und Sohle sind den Wünschen fast keine Grenzen gesetzt.
Die globig schwarzen Einheitstreter sind Vergangenheit.

 

Arbeitskleidung

Bei der Arbeitskleidung kann es schon mal ausgediente normale Straßenkleidung sein. Wichtig ist, daß sie stabil ist und aus Baumwolle. Synthetikfasern haben hier nichts zu suchen.
Besser geeignet ist jedoch die entsprechende Arbeitskleidung bestehend aus Arbeitshose und Jacke aus dem Fachhandel. Sie hat eine auf den Arbeitseinsatz abgestimmten Passform, eine robuste Ausführung und meist zusätzliche Taschen für Werkzeuge.

 

Werkzeuge

Winkelschleifer

Neben den Zangen und Hämmern ist der Winkelschleifer für mich mit das wichtigste Handwerkzeug.
Mit ihm kann ich Stahl blank schleifen ( flexen), oder mit einer 1mm dünnen Trennscheibe recht präzise trennen.  Beim Winkelschleifer ist eine stabile und robuste Konstruktion wichtig. Sie muss jedoch gut in der Hand liegen und leicht zu bedienen sein.

Mir hat die Erfahrung gezeigt, das allzu günstige Schnäppchen oft das Geld nicht wert sind. Diese Geräte halten oft den Dauereinsatz nicht aus. Sie neigen stärker zu störenden Vibrationen, sind recht klobig im Aufbau und die Schalter sitzen an ungünstigen Stellen.

Die ganz teuren “Spitzenprodukte” sind hier in der Regel um vieles besser. Aber sind diese auch soviel besser als das sich der hohe Mehrpreis rechnet ?

Ich habe beide Varianten ausgetestet und musste feststellen, das ich mit dem mittleren Preissegment am besten fahre. Hier stimmt die Qualität, die Ergonomie und die Langlebigkeit.
Solche Winkelschleifer gibt es auch von renomierten Markenherstellen.
Hauseigene Marken aus Baumärkten können passen. Ich habe hier aber die Erfahrung machen müssen, das diese nicht mit den Markenhestellern mithalten können.

Werkzeugkoffer

Ein gut ausgestatteter Werkzeugkoffer ermöglicht es mir anstehende Arbeiten an Maschinen oder in der Werkstatt zügig zu erledigen.
Neben einem Sortiment der gängigsten Schraubendreher und Zangen sollte ein Steck, bzw. Gabelschlüsselsatz nicht fehlen. Anreißnadel und Stahllineal etc. gehören auch mit dazu.
Es gibt fertig ausgestattete Koffer im Handel zu kaufen. Eine Alternative ist aber das selbst zusammenstellen des Werkzeugkoffers nach den eigenen Anforderungen. Hier kann jeder nur genau das Werkzeug kaufen was er auch wirklich braucht.

Der Nachteil: man muss sich mit der Zusammenstellung befassen und es kann schon mal mehr kosten als ein fertiger Koffer.

Der Vorteil: neben der individuellen Zusammenstellung kann ich mir etwas Zeit lassen.

In den Bezugsquellen habe ich einiges an Werkzeugen und Materialien für den Messermacherbedarf aufgelistet.

 

Teil 2 => erweiterter Maschinenpark

Im zweiten Teil gehe ich dann näher auf die übrigen Geräte und Maschinen ein die man(n) unbedingt haben soll/will 😉

 

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